
Google bald auch im Auto-Cockpit
16. Juni 2006 / 10:42 Uhr
Volkswagen entwickelt Prototypen

Google
bietet längst mehr als die gängigen Funktionen einer
Suchmaschine. Jetzt will das Unternehmen mit seinen Produkten Google
Maps und Google Earth den Markt für Navigationssysteme aufmischen.
Erste Anwendungen zeigen das große Potenzial – und Forscher
bei Volkswagen entwickelten bereits einen Prototyp.
Wer eine Reiseroute plant, hat häufig eine Landkarte vor sich.
Über die Umgebung und die Besonderheiten links und rechts der
Straße verrät sie nur wenig. Wie müsste ein
Navigationssystem aussehen, das dem Fahrer bei der Planung hilft
– und diese möglichst noch verbessert? Würde es
fotorealistisch die Umgebung von Punkt A zeigen, in die
Vogelperspektive wechselnd die Fahrt nach B aufnehmen, um punktgenau
auf B zu landen?
Vogelflug mit Wetterlage
Google Earth könnte genau dieses Erlebnis bieten. Konsequent hat
nun das Electronics Research Laboratory von Volkswagen Google Earth in
ein Navigationssystem gepackt: Das System errechnet die günstigste
Route und zeigt im Vogelflug die Strecke – mit integrierter
Wetterlage. Einige Gebäude an der Strecke sind sogar
dreidimensional in die Satellitenaufnahmen integriert, was die
Wiedererkennung auf der Strecke erleichtert. Kleine rote und grüne
Punkte zeigen an, wo es auf Straßen zu Staus und Wartezeiten
kommt.
Die Daten liefern Verkehrsüberwachungskameras. Per Fingerdruck
kann der Fahrer zusätzliche Informationen aus dem Internet
zuschalten – wie etwa Tankstellen samt Öffnungszeiten oder
Kinos inklusive Programm.
Kein Termin für die Markteinführung
Noch handelt es sich nur um einen Prototyp – und einige Jahre
wird dies auch so bleiben. Denn bislang gibt es im Pkw noch keinen
leistungsfähigen Rechner mit entsprechend leistungsfähiger
Internetverbindung. So verwundert es auch kaum, dass ein
Volkswagen-Sprecher auf Nachfrage noch keinen Termin für die
Markteinführung nennen kann.
Klaus Greve vom Geographischen Institut der Universität Bonn sieht
jedoch bereits einen Zukunftstrend: „Mit dieser Technologiestudie
könnte der Autobauer erkennen, was er in drei Jahren damit machen
könnte.“
Radarwarnung mit Google
Auch Mathias Eifrig experimentiert bereits auf seiner Website
Radarfalle.de erfolgreich mit Google Maps. Er stellt kostenlos eine
Karte für den deutschsprachigen Raum mit rund 3000
stationären Geschwindigkeits- und Rotlichtüberwachungsanlagen
zur Verfügung.
Zusammengetragen werden die Daten von den Nutzern. Täglich
erhält die Website bis zu 20 Hinweise von ihren Besuchern, die
dann in einer Datenbank erfasst werden. Im Auftrag von Radarfalle.de
überprüfen Fahrer die Angaben und versehen die
Überwachungsanlage mit einer GPS-Referenz.
Kartensuche auf dem Handy
Vor kurzem hat Google ein Java-Applet mit allen Funktionen von Google
Maps für kleine mobile Geräte bereitgestellt. Damit sind
über jedes WAP-fähige Mobiltelefon lokale Suchanfragen nach
Geschäften, Hotels, Restaurants, Kinos, Theatern und anderen
Einrichtungen möglich. Als Ergebnis werden neben Adressen auch
Rufnummern und Kartenausschnitte angezeigt. Per Klick lassen sich die
Telefonnummern direkt anwählen.
Eigene Dienste der Big Player
Doch nicht nur Google setzt auf den Markt. Auch Yahoo, Amazon und
Microsoft stehen in den Startlöchern. Yahoo wird ab Herbst auf
Suchanfragen der Nutzer mit regionalen Ergänzungen wie „das
Restaurant XYZ liegt im Zentrum von Berlin“ reagieren.
Der Microsoft-Dienst „Windows Live Local Street Side“
bietet mit Straßenzug-Ansichten aus Autofahrer- und
Fußgängerperspektive den Eindruck, sich tatsächlich in
einer Stadt zu bewegen. Einen ähnlichen Service bietet auch
Amazons Suchdienst A9 bereits seit einigen Monaten.
Für Klaus Greve ist klar: „Google, Yahoo, Amazon und
Microsoft werden die Navigationshersteller angreifen.“ Gewinnen
werde der Anbieter, der die Informationsstränge am effektivsten
fokussieren kann.
Kostenlos für die Nutzer
Für die Nutzer sind die Dienste kostenlos. Ihr Geschäft
werden Google & Co mit Werbung bestreiten: Tankstellenbetreiber,
Restaurants und Hotels sollen mit farbigen Logos auf ihre Dienste
hinweisen können.
Quelle: focus.de
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